Ratgeber · Gerätesicherheit · · von Stefan Tsezarov
Wird mein Handy überwacht?
Jemand erwähnt ein privates Gespräch. Er weiß, wo du warst, obwohl du es nie erzählt hast. Du bemerkst in deinem Konto ein Gerät, das du nicht kennst.
Du willst eine Antwort. Eine Prüfung des Handys kann helfen, aber zuerst kommt es darauf an, wie jemand an diese Informationen kommen könnte. Er könnte Zugriff auf ein Konto haben, auf eine Standortfreigabe oder auf eine App auf deinem Handy. Jedes davon braucht eine andere Reaktion.
Wenn dich jemand aus deinem Umfeld überwachen könnte, denk an deine Sicherheit, bevor du Passwörter änderst, Apps entfernst oder Freigaben abschaltest. Such Hilfe nach Möglichkeit über ein Gerät, auf das diese Person keinen Zugriff hat. Du brauchst kein Prüfergebnis, um um Unterstützung zu bitten. In Deutschland erreichst du das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016, rund um die Uhr und kostenlos, und das Hilfetelefon „Gewalt an Männern“ unter 0800 1239900. Bei akuter Gefahr wähle 110 oder 112.
01Überwachung heißt nicht immer Spyware
Eine Person mit Zugriff auf dein E-Mail- oder Cloud-Konto kann womöglich private Informationen von ihrem eigenen Gerät aus lesen. Geteilte Standorteinstellungen und verknüpfte Messenger-Sitzungen können ebenfalls Informationen preisgeben. Auf deinem Handy ist vielleicht gar nichts Ungewöhnliches installiert.
Überwachungs-Apps sind ein anderer Weg. Sie können Informationen wie Standort oder Nachrichten sammeln, je nach ihren Berechtigungen und dem Gerät. Eine App, die für „Familienschutz“ beworben wird, kann trotzdem genutzt werden, um jemanden ohne sein Wissen oder seine Zustimmung zu überwachen. Ihre Werbung sagt nicht, ob ihr Einsatz in Ordnung ist.
Dann gibt es Söldner-Spyware wie Pegasus. Das sind ausgefeilte Werkzeuge, die mit gezielten Angriffen auf Menschen wie Journalist:innen, Aktivist:innen und Personen des öffentlichen Lebens in Verbindung stehen. Manche Angriffe brauchen keinen Klick auf einen Link. Sie sind ein anderes Problem als ein Konto, in das sich jemand anderes einloggen kann. Apple erklärt gezielte Spyware-Angriffe hier (Englisch).
02Was verdient einen genaueren Blick?
Ein heißes Handy oder ein Akku, der schnell leer wird, sagt dir nicht, ob du überwacht wirst. Diese Symptome haben viele mögliche Ursachen.
Nützlicher ist es, Folgendes zu untersuchen:
- Unbekannter Kontozugriff: ein angemeldetes Gerät, eine verknüpfte Sitzung oder eine Wiederherstellungsadresse, die du nicht hinzugefügt hast.
- Unerwartete Freigaben: Dein Standort oder andere Informationen werden mit jemandem geteilt, mit dem du das nicht wolltest.
- Unbekannte Berechtigungen: eine App mit Zugriff auf Bedienungshilfen, Benachrichtigungen oder Geräteverwaltung, den du dir nicht erklären kannst.
- Ein Muster privaten Wissens: Jemand kennt immer wieder Details, auf die er keinen Zugriff haben sollte.
- Eine bestätigte Sicherheitswarnung: Ein Anbieter teilt dir mit, dass dein Konto oder Gerät Ziel eines Angriffs gewesen sein könnte.
Eine unbekannte Einstellung kann eine gewöhnliche Erklärung haben. Das sind Ausgangspunkte für eine Untersuchung, keine Beweise für Spyware. Ebenso beweist es nicht, dass alles sicher ist, wenn du nichts davon findest.
03Wenn du dir wegen einer Partnerin, eines Partners, eines Ex oder eines Familienmitglieds Sorgen machst
Du musst sie nicht zur Rede stellen und nicht sofort etwas entfernen. Wenn jemand kontrolliert oder droht, kann es sein Verhalten ändern, wenn er den Zugriff auf deine Informationen verliert.
Wende dich zuerst an eine Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt oder für Opferhilfe (in Deutschland zum Beispiel 116 016), möglichst über ein Gerät und ein Konto, auf die die andere Person keinen Zugriff hat. Erkläre, dass du digitale Überwachung vermutest und Hilfe beim Planen der nächsten Schritte willst. Melde dich auf dem sichereren Gerät nicht bei einem Konto an, das möglicherweise überwacht wird.
Halte nur dann etwas fest, wenn es sicher ist. Daten, Nachrichten und Fotos, die mit einem anderen Gerät aufgenommen wurden, können nützlich sein. Screenshots auf dem Handy könnten sich mit einem Konto synchronisieren, das die andere Person sehen kann. Bring dich nicht in Gefahr, um Beweise zu sammeln.
Auf einem unterstützten iPhone kannst du mit Settings → Privacy & Security → Safety Check (auf Deutsch: Einstellungen → Datenschutz & Sicherheit → Sicherheitsprüfung) Freigaben und Kontozugriffe überprüfen. Überlege vorher, was die andere Person bemerken könnte, wenn der Zugriff endet. Es hilft beim Verwalten von Freigaben; es ist kein Spyware-Detektor. Apples Anleitung zur Sicherheitsprüfung erklärt die Optionen und Sicherheitsfragen (Englisch).
04Wenn du glaubst, dass du wegen deiner Arbeit angegriffen wirst
Hol dir fachlichen Rat, bevor du das Handy zurücksetzt oder vermutete Spyware entfernst. Ein Zurücksetzen kann Informationen zerstören, die einer Untersuchung helfen würden.
Die Digital Security Helpline von Access Now bietet kostenlose Hilfe rund um die Uhr für berechtigte Nutzer:innen aus der Zivilgesellschaft, darunter Journalist:innen, Aktivist:innen und Menschenrechtsverteidiger:innen. Du musst vorher nicht unsere Prüfung durchführen. Der Dienst beurteilt, ob eine Anfrage in seinen Aufgabenbereich fällt.
Wenn du eine Bedrohungsmitteilung von Apple bekommst, prüfe sie, indem du selbst account.apple.com aufrufst. Laut Apple fordern diese Mitteilungen dich nie auf, Software zu installieren, Dateien zu öffnen oder dein Passwort oder einen Bestätigungscode per E-Mail oder Telefon anzugeben. Nimm eine echte Warnung ernst und hol dir fachliche Hilfe. Apples Hinweise erklären auch, wann der Blockierungsmodus sinnvoll ist. Lies Apples Rat (Englisch).
05Was unser Spyware-Check dir sagen kann
Der Spyware-Check von SaveSaveSaveSave vergleicht Angaben mit veröffentlichten Indikatoren: bekannten Domains, App-Kennungen und anderen festgehaltenen Spuren bestimmter Spyware oder Überwachungs-Apps.
Du kannst eingefügten Text oder einen Link in deinem Browser prüfen. Der Android-Weg ist eine Option für Fortgeschrittene, die eine mit einem gesonderten Werkzeug auf einem Computer erstellte Sammlung braucht. Keiner der Wege ist eine vollständige Untersuchung deines Handys. Die Website untersucht iPhones oder Computer derzeit nicht direkt.
Der ausgewählte Inhalt wird im Browser verarbeitet, statt zur Analyse hochgeladen zu werden. Das Öffnen der Website und das Laden ihrer Indikatorlisten erzeugen trotzdem Netzwerkanfragen; die Datenschutzerklärung erklärt diese Verbindungen.
Die Abdeckung beschränkt sich auf die Quellen in dieser Version. Sie umfasst nicht jede Spyware-Familie oder -Version, auch nicht spätere Pegasus-Indikatoren, Predator, Graphite, Candiru oder Cellebrite. Sieh im Abdeckungsbereich des Werkzeugs nach, welche Quellen enthalten sind, von wann sie stammen und welche Listen nicht geladen werden konnten.
Ein Treffer braucht Kontext. Eine gelistete Domain in einer eingefügten Nachricht beweist nicht, dass das Handy infiziert ist. Auch ein exakter Treffer muss danach beurteilt werden, was verglichen wurde und wo es gefunden wurde. Öffne keine verdächtige Adresse, um sie zu untersuchen.
Kein Treffer lässt Fragen offen. Die Prüfung kann keine Indikatoren finden, die auf ihren Listen fehlen, und keine Spuren in Daten, die sie nicht lesen konnte. Die Prüfung einer Nachricht untersucht nicht das Gerät, das sie empfangen hat.
Wenn dich ein Befund beunruhigt, speichere das Ergebnis an einem sicheren Ort und hol dir passende Hilfe. Wenn dich jemand aus deinem Umfeld überwachen könnte, mach einen Sicherheitsplan, bevor du eine Sammlung erstellst oder etwas am Handy änderst.
Dieser Ratgeber gibt allgemeine Sicherheitsinformationen, keine Rechtsberatung. Hilfsangebote unterscheiden sich je nach Land und danach, wem sie helfen.